Megatrend – global society change

Bereits letzte Woche haben wir über einige der Megatrend-Entwicklungen gesprochen und nun folgt der Rest. Doch wie entsteht ein Megatrend eigentlich? Manche beschreiben Megatrends als „Lawinen in Zeitlupe“, die langsam an Bedeutsamkeit gewinnen und den Wandel der Welt abbilden1. Ein gewisser Wandel durchläuft verschiedene Ebenen und besitzt dabei einen wiederkehrenden Charakter, jedoch immer auf einer neuen, höheren Ebene2 – eine Aufwärtsspirale der Veränderung. Dabei besitzt ein Megatrend eine komplexe Veränderungsdynamik3 der Entstehung. Wobei das Wort Entstehung hier eigentlich fehl am Platz ist, da Megatrends sich eher aufgrund der Beobachtung langfristiger Entwicklungen abbilden und nicht einfach entstehen4. Sie sind das Ergebnis aus Beobachtung, Beschreibung und Bewertung von Entwicklungen. Eine Analyse dieser Beobachtung bedeutet, Zukunftsthesen über mögliche Auswirkungen zu benennen und gegebenenfalls Ausprägungen eines gesellschaftlichen Wandels zu erkennen5.

Der Nutzen von Megatrends6 7

Man beschreibt die Entwicklung von Megatrends mithilfe einer Trend-Gegentrend-Dialektik. Das bedeutet, dass Wandel und Fortschritt aufgrund von Krisen und Paradoxien des Alltags entstehen sowie das jeder Trend einen Gegentrend entwickelt.

Dabei wirken sie sich auf die Gesellschaft aus und verändern diese. Auch ohne über die Thematik der Megatrends im Bilde zu sein, wird kaum jemand sagen können, dass die entsprechenden Entwicklungen unbemerkt vorbeigezogen sind.

Weiterhin weisen die Trends eine gewisse Interdependenz zueinander auf. Beispielsweise hat der Megatrend Silver Society Einfluss auf den demografischen Wandel und auf den Megatrend Gesundheit; New Work wird von zunehmender Konnektivität befeuert; Urbanisierung beeinflusst Mobilität sowie Neo-Ökologie.

Auch für die Wirtschaft haben die Trends eine immense Bedeutung. Denn sie sind der Grund für schnelle Disruption von alteingesessenen Strukturen. Sie zwingen Unternehmen, gar ganze Branchen, dazu, ihr Geschäftsmodell und ihre Strategien zu überarbeiten und sie an den aktuellen Zeitgeist anzupassen.

Megatrend Gender Shift8

Bereits im Beitrag zu Diversity sind wir auf das Thema eingegangen. Die von der Gesellschaft einem Geschlecht zugeschriebenen Rollen verlieren an Bedeutung und insbesondere an Verbindlichkeit. Rollenmuster werden zunehmend aufgebrochen und Stereotype überarbeitet und bekämpft. Das Ziel des Megatrend Gender Shift ist es, eine Kultur des Pluralismus zu erlangen und das eigene Gender Teil des individuellen Freiheitsraums werden zu lassen. Diversitäten sollen zur allgemein anerkannten Normalität werden und auch traditionelle Familienstrukturen aufbrechen. Es geht darum, eine Gender Awareness zu erlangen und mithilfe des Drucks der Gesellschaft über Vorurteile aufzuklären. Denn Identität ist nicht das Gleiche wie Geschlecht!

Megatrend Gesundheit9 10

Der Trend Gesundheit hat mehrere Gesichter. Einerseits bezieht er sich auf digitales Detoxing – weniger ist mehr; eine digitale Pause einlegen. Somit sollen Körper und Geist entlastet und das mentale Wellbeing gestärkt werden. Oft sind Menschen mit der steigenden Zahl an digitalen Auswahlmöglichkeiten aufgrund ihrer Komplexität überfordert. Das Ziel? Achtsamkeit!

Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Gesundheit im klassischen Sinne, denn gesund ist für die meisten der Inbegriff einer höheren Lebensqualität. Hier wird Gesundheit mit einem holistischen Ansatz betrachtet, was bedeutet, dass Gesundheit und Ernährung mit Moral und Werten verbunden werden, um somit die Einstellung der Menschen zu verändern. In unserer Gesellschaft ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit Sport zu treiben und das Streben nach Selbstoptimierung ist nicht mehr nur ein Marketingslogan bekannter Sportmarken, sondern die treibende Kraft hinter dem Megatrend Gesundheit.

Megatrend Globalisierung11 12

Was Globalisierung an sich ist, haben wir oft genug thematisiert. Die Corona Pandemie hat beispielsweise zu einer De-Globalisierung geführt und den Neo-Nationalismus angekurbelt (durch die zeitweise geschlossenen Grenzen sind Wertschöpfungsketten auseinandergebrochen oder hatten immense Verspätungen aufgrund von Verkehrsstaus vor den Grenzkontrollen).

Aktuell entwickelt sich der Trend in Richtung „Glokalisierung“. Hierbei muss das Verhältnis zwischen lokal und global neu gemischt werden. Viele Unternehmen setzten eher auf die Rückholung lokaler Wertschöpfungsketten (im regionalen Kontext), wodurch ein neues Gleichgewicht zwischen Weltoffenheit und Heimatliebe entsteht.

Das Zusammenwachsen der Weltbevölkerung aufgrund der Globalisierung hat weiterhin zur Formung einer Weltgesellschaft mit einer kosmopolitischen Einstellung geführt – insbesondere innerhalb jüngerer Generationen.  Diese setzen auf internationale Wirtschaftsbeziehungen und fangen an, sich als Teil einer internationalen Gesellschaft anzusehen, anstatt rein als Staatsbürger:innen einzelner Länder. Menschen fangen an, gemeinsam weltweit für die gleiche Sache auf die Straßen zu gehen und für eine gemeinsame Anerkennung von Recht zu kämpfen (#MeToo, #FridaysForFuture, #BlackLifesMatter) – eine globale Protestkultur.

Insbesondere kurz vor Corona schätzten Expert:innen die möglichen zukünftigen Auswirkungen der Globalisierung als endlos ein – bis die Pandemie den Trend schließlich zum Stillstand brachte. Nicht einmal innerhalb der EU, geschweige denn weltweit, wurden einheitliche Strategien entwickelt, um der Pandemie entgegenzutreten. Dies hat vielen gezeigt, wie globalisiert unsere aktuelle Welt wirklich ist. Daher: Glokalisierung!

Megatrend New Work13

Bye Bye klassische Karriere und Hallo zur Frage nach Sinnhaftigkeit! Der Digitalisierungsschub hat zu einem starken Umdenken innerhalb der Arbeitsgesellschaft geführt. Mehr zum Thema New Work und New Normal lesen sie in den verlinkten Beiträgen:

Der Megatrend New Normal – Irrtümer und Tipps

Von New Work zu New Normal – eine wahrgewordene Vision?

Megatrend Sicherheit14

Der Megatrend Sicherheit weist paradoxe Entwicklungen auf. Einerseits nimmt das Gefühl in ständiger Unsicherheit und Gefahr zu leben zu. De facto leben wir jedoch so sicher wie historisch gesehen nie zuvor. Doch es stapeln sich die Krisen und die Kirsche auf der Torte kam dann mit Corona.

Was viele allerdings außenvor lassen ist der Fakt, dass sich die allgemeine Definition von Sicherheit erweitert hat. Sachen die früher nicht als Bedrohung für uns galten, zählen mittlerweile dazu. Und die mediale Berichterstattunge tragen hierzu keinen positiven Beitrag bei. Diese handeln meist hauptsächlich von tragischen Ereignissen und Bedrohungen.

Auch wird den Menschen so langsam klar, dass sie die Natur doch nicht so beherrschen können, wie sie vielleicht ursprünglich dachten. Die unsichtbare Gefahr der Biologie (bspw. Corona) sowie Naturgewalten und Umweltkatastrophen ausgelöst durch den Klimawandel (bspw. Starkregen in RLP und NRW) schüren Angst vor dem, was möglich ist. Von digitalen Bedrohungen, wie Überwachung und Cyber-Angriffen, mal abgesehen.

Megatrend Urbanisierung15

Auch der Megatrend Urbanisierung kann kaum jemanden verfehlt haben. Städte werden mittlerweile als hyperkomplexe, dynamische und kreative Zentren beschrieben, welche zu großen Teilen eine pluralistische Gesellschaft beherbergen. Generell nimmt die Urbanisierung immer weiter zu, sodass das Leben innerhalb der Städte zu großen Teilen über wichtige Veränderungen bestimmt. Diese betreffen beispielsweise den Klimawandel, das Gleichgewicht sozialer Gerechtigkeit, zukünftige (flexible) Arbeitsmodelle und neue Mobilitätsmöglichkeiten.

Auch herrscht eine Diskussion über Stadtflucht und Urban Living – welche beider Optionen passt individuell am besten zu Ihnen? Auch die Randgebiete der Städte wachsen. Als hybride Lebensräume geltend, entschleunigen sie die Urbanität und bieten für viele den idealen Mix aus Landluft und Stadtleben.